Es war ein milder Frühlingsabend in Wien. Wolfgang Amadeus Mozart saß erschöpft, aber zufrieden auf einer alten Holzbank in seinem kleinen Garten. Hinter ihm lagen anstrengende Tage. Die Arbeit an seiner Oper Don Giovanni forderte ihm alles ab. Nun gönnte er sich einen Moment der Ruhe.
Die Sonne war schon tief gesunken, der Himmel glühte in sanftem Abendrot. Da erklang plötzlich ein klarer, lebhafter Vogelgesang aus der Krone eines nahen Baumes. Eine Amsel hatte sich auf einem Ast niedergelassen und ihre fröhlichen Triller durchschnitten die Abendstille.
Mozart horchte auf. Die verspielten Tonfolgen, das Wechselspiel aus schnellen Läufen und sanften Flötentönen – es war, als ob die Amsel selbst ihm ein kleines Konzert darbot. Eine Melodie blieb ihm besonders im Ohr: leicht, heiter, verspielt geträllerte Tonfolgen.
Am nächsten Abend saß er wieder dort, mit gespitzten Ohren. Die Amsel war zurück, als wäre sie eigens für ihn gekommen. Diesmal nahm Mozart Feder und Notenblatt mit. Er kritzelte kleine Motive, spielte mit den Melodien, fügte hinzu, ließ weg – doch immer wieder kehrte er zu den Trillern des Vogels zurück.
So, aus der Begegnung zwischen Menschen und Natur, entstand jene Musik, die später als „Eine kleine Nachtmusik“ unsterblich werden sollte – ein Werk, leicht wie der Amselgesang, hell wie der Abendhimmel, und voller Lebensfreude.
Bis heute, so sagt man, trällern die Amseln in Wien besonders schön.
Vielleicht singen sie noch immer für Mozart.