Gott machte es sich im voluminösen, ledernen Clubsessel der Himmels-Lounge gemütlich und genoss seinen Tee „Himmelsruh“ und war fest entschlossen, heute nichts zu erschaffen, zu richten oder zu verbessern.
Albert Einstein und Charles Darwin saßen ihm gegenüber und diskutierten – wie immer – darüber, wer von beiden die Menschheit nachhaltiger geprägt hätte.
Als Madame Curie vorbeiging, hob Gott den Blick.
„Madame Curie! Setzen Sie sich doch. Tee?
„Wie aufmerksam“, sagte sie lächelnd und setzte sich. „Danke, dass Sie mich in den exklusiven Zirkel der Weisen Männer aufgenommen haben. Ich hoffe, es ist nicht nur eine Quote.“
Charles Darwin räusperte sich. „Aber, liebe Madame Curie, Sie gehören doch zweifellos zu den größten Geistern der Menschheit!“
„Das sehe ich auch so“, entgegnete sie. „Einige meiner Kollegen offenbar ebenfalls – so sehr, dass sie meine Ergebnisse gleich mitgenommen haben.“
Albert Einstein nickte bedeutungsschwer.
„Ja, ja. Die Wissenschaft hat leider auch ihre dunklen Kapitel. Besonders, was der Respekt gegenüber Frauen betrifft.“
Madame Curie legte den Kopf schief.
„Interessant, Herr Einstein. Fallen ihnen da vielleicht ein paar Sünden ein?“
Einstein zog an seiner Pfeife.
„Na, na. Wollen Sie mir etwa etwas unterstellen?“
„Ich sage nur: Relativitätstheorie.“
Gott hob langsam die Augenbrauen. Charles Darwin hielt inne. Sie hatte „Sünde“ gesagt!
„Sie wollen doch nicht behaupten“, lachte Einstein etwas zu schrill, „meine Theorie sei… ausgeliehen?“
„Ihre Frau Mileva erzählte mir“, sagte Madame Curie ruhig, „dass Sie ihren Gedanken zur -Zeit- kein Gehör schenken wollten.“ „Unsinn!“, fauchte Einstein. „Sie sprechen in Rätseln!“
„Ganz und gar nicht“, erwiderte sie. „Mileva kam eines Abends spät nach Hause. Sie fragten sie, wo sie gewesen sei. Sie sagte: bei mir, im Café, wir sprachen über Mode. Ihre Antwort: So lange? Darauf antwortete Mileva: Zeit ist relativ. Immer vom Standort des Betrachters. Für uns verging sie wie im Fluge.
Und Sie hatten plötzlich eine Eingebung.“
Einstein räusperte sich.
„Nun ja… Inspiration ist ja kein Diebstahl.“
„Das sagen erstaunlich viele Männer“, bemerkte Madame Curie.
Um die Stimmung zu retten – ein fataler Irrtum – mischte sich Darwin ein.
„Wenn wir schon bei fragwürdigen Konzepten sind: Lieber Gott, diese Sache mit der Evolution… nicht Ihr stärkster Wurf.“
Gott Vater erstarrte.
„Wie bitte?“
„Nun“, fuhr Darwin fort, „alles sich selbst überlassen und mal sehen was dabei rauskommt. Der Große frisst den Kleinen. Dauerstress. Konkurrenz. Egoismus. Hat sich bis in die Menschheit fortgesetzt. Hätte man eleganter lösen können. Vegetarisch zum Beispiel. Hier die Tiere da die Pflanzen “
Einstein, wieder etwas mutiger, grinste.
„Und die Quanten! Mal Teilchen, mal Welle, dann gleichzeitig da und nicht da. Ein bisschen… unaufgeräumt.“
Gott Vater lief langsam rot an. Sehr langsam. Göttlich langsam.
Madame Curie setzte nach:
„Und mit Jesus als Sohn und Erlöser… na ja. Eine Tochter hätte vieles pragmatischer gelöst. Davon bin ich überzeugt.“
Stille.
Gott explorierte:
„RAUS! Raus aus meiner göttlichen Lounge! Alle drei! Und wagt es ja nicht noch einmal mir meine Mittagsruhe zu ruinieren!
Da gibt man einigen seinen Bälgern ein bisschen mehr Grips – und schon wissen sie alles besser als der Alte!“
Er stand auf, zeigte mit dem Finger Richtung Ausgang.
Alle drei stürzten aus der Lounge, rempelten Humboldt an, der gerade im Begriff war sich dazuzusetzen.
„Nix wie weg! Der Chef verträgt keine Kritik“ raunten sie.
„Noch ein Wort – und ich lese eure Lebens-Akte aber so was von kleinlich!
Und dann diskutiert ihr weiter mit dem Herrn da unten… dem Meister der Röst-Aromen!“
Er setzte sich, schlürfte seinen Tee und murmelte:
„Löwe, Tiger, Tyrannosaurus – Vegetarier. Was für eine Schnapsidee!“