Scherben bringen Glück

Scherben bringen Glück

Fred saß auf dem Dachfirst und montierte die Satellitenschüssel; er war fast fertig. Er wusste sofort, was falsch war, als er dieses knackende Geräusch hörte, während er die Schraube nur noch ein kleines Stück fester anziehen wollte.

Der Halter brach, die schwere Schüssel kippte aufs Dach und rauschte talwärts. Das Dachfenster war gekippt, konnte die Schüssel nicht aufhalten und zerbrach. Auch die Solarpaneele hielten sie nicht auf; zwei von ihnen gaben knirschend nach, und die Schüssel rauschte weiter Richtung Dachrinne. Zuerst dachte ich, sie bliebe dort hängen, aber dann kippte sie ganz langsam über die Kante.

Der Wintergarten war erst vor zwei Jahren installiert worden und war eigentlich unser ganzer Stolz. Die Schüssel brach mit einem lauten Knall durch das Dachglas.
Als wären die vielen Scherben nicht genug gewesen, stürzte die Schüssel anschließend auf den Glastisch.

Meine Frau kam schreiend aus der Küche gerannt und sah die Satellitenschüssel auf dem Scherbenhaufen liegen. Gott sei Dank – nicht ihr Mann Fred. Durch das Glasloch konnte sie oben auf dem First Fred sitzen sehen, der sein Gesicht in den Händen vergrub.

Der Versicherungsvertreter staunte nicht schlecht. Er blickte auf den Scherbenhaufen. „Sie wollten lediglich eine Satellitenantenne montieren?“, fragte er ungläubig.

Er musste zwar verschiedene Versicherungen bemühen – Glasbruch, Hausrat etc. – doch mit etwas Kulanz konnte der größte Teil des Schadens ersetzt werden.

Nun war alles wieder repariert, und es musste nur noch die neue Satellitenschüssel aufs Dach gehoben und montiert werden – diesmal von einem Fachbetrieb aus dem Nachbarort. Sie hatten sogar einen kleinen Kranausleger, um die Schüssel hochzuheben.

In all den Jahren war dem Handwerker so etwas noch nie passiert. Er hatte nur die Schraube ein kleines bisschen fester anziehen wollen, als er das knackende Geräusch hörte.

Im selben Moment wusste er genau, was er falsch gemacht hatte.

Die Amsel und die kleine Nachtmusik

Die Amsel und die kleine Nachtmusik

Es war ein milder Frühlingsabend in Wien. Wolfgang Amadeus Mozart saß erschöpft, aber zufrieden auf einer alten Holzbank in seinem kleinen Garten. Hinter ihm lagen anstrengende Tage. Die Arbeit an seiner Oper Don Giovanni forderte ihm alles ab. Nun gönnte er sich einen Moment der Ruhe.

Die Sonne war schon tief gesunken, der Himmel glühte in sanftem Abendrot. Da erklang plötzlich ein klarer, lebhafter Vogelgesang aus der Krone eines nahen Baumes. Eine Amsel hatte sich auf einem Ast niedergelassen und ihre fröhlichen Triller durchschnitten die Abendstille.

Mozart horchte auf. Die verspielten Tonfolgen, das Wechselspiel aus schnellen Läufen und sanften Flötentönen – es war, als ob die Amsel selbst ihm ein kleines Konzert darbot. Eine Melodie blieb ihm besonders im Ohr: leicht, heiter, verspielt geträllerte Tonfolgen.

Am nächsten Abend saß er wieder dort, mit gespitzten Ohren. Die Amsel war zurück, als wäre sie eigens für ihn gekommen. Diesmal nahm Mozart Feder und Notenblatt mit. Er kritzelte kleine Motive, spielte mit den Melodien, fügte hinzu, ließ weg – doch immer wieder kehrte er zu den Trillern des Vogels zurück.

So, aus der Begegnung zwischen Menschen und Natur, entstand jene Musik, die später als „Eine kleine Nachtmusik“ unsterblich werden sollte – ein Werk, leicht wie der Amselgesang, hell wie der Abendhimmel, und voller Lebensfreude.

Bis heute, so sagt man, trällern die Amseln in Wien besonders schön.

Vielleicht singen sie noch immer für Mozart.